Evangelischen Glauben selbständig zur Entfaltung bringen

Angesichts des graffito an einer Mauer der Universität von Amsterdam möchten wir

  • das Nachdenken über religiöse Fragen besonders befördern
  • politisches Wissen vermitteln und gesellschaftliches Engagement anregen
  • historische Einsichten ermöglichen und geschichtliche Verantwortung bewusst machen
  • technologische Kompetenz mit ökologischem Bewusstsein zusammenführen
  • ökonomisches Wissen entwickeln helfen
  • seelische Kräfte stärken und kommunikatives Verhalten auf vielen Ebenen verbessern

und damit helfen, evangelischen Glauben selbständig zur Entfaltung zu bringen.

„Seit ihren Anfängen haben die protestantischen Kirchen einen Bildungsauftrag für alle ihre Mitglieder wahrgenommen. Selbst verantwortetes Verstehen der Heiligen Schrift braucht Bildung. Verantwortliches Handeln in der Gesellschaft auf der Grundlage des Glaubens bedarf einer die emanzipatorischen Kräfte stärkende Bildung. …

Die Kirche, die missionarisch Volkskirche ist, erhöht ihre Kompetenz für Bildung, wenn sie im konfessionellen wie im allgemeinen Bereich tätig ist.“  (1)
 

I.                    Im Sinne der Leitvorstellung „Missionarisch Volkskirche sein“ in der Evangelischen Kirche im Rheinland (Landessynode 2010) versteht die Melanchthon-Akademie ihr Bildungshandeln als Auftrag, evangelischen Glauben selbständig zur Entfaltung zu bringen:

Die Melanchthon-Akademie ist die Stadtakademie des Evangelischen Kirchen-verbandes Köln und Region. Als Einrichtung der Erwachsenenbildung und als gesellschaftsdiakonischer Akteur ist sie ein offener Bildungs- und Begegnungsort. Sie wendet sich an einzelne Erwachsene und an Gruppen unabhängig von religiöser Überzeugung, ethnischer  Zugehörigkeit, kulturellem und sozialem Hintergrund.

Ihre städtisch zentrale Lage in Köln ist gleichzeitig eine Lage in der geographischen Mitte des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Dem geographischen Bild entspricht in Analogie der Wirkungsbereich: als zentral gelegene Stadtakademie ist sie auch die Akademie für die evangelische Region.

Die Bildungsarbeit der Melanchthon-Akademie steht unter einem öffentlichen und einem kirchlichen Auftrag:

Die Melanchthon-Akademie ist anerkannter und zertifizierter Bildungsträger. Sie ist in der Landschaft der Erwachsenen- und Weiterbildung verankert mit einer Programmbreite und Themenvielfalt, die sich aus dem Profil der Evangelischen Erwachsenenbildung begründet. So erfüllt die MAK ihre Arbeit im Rahmen des Weiterbildungsgesetzes NRW, ist Mitglied des „Evangelischen Erwachsenen-bildungswerkes Nordrhein“ (EEB) und der „Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Erwachsenenbildung“ (DEAE).

Die Melanchthon-Akademie ist, seit 2007 nach der Fusion mit dem Sozialwerk, qua autorisierter Konzeption auch gesellschaftsdiakonischer Akteur in den Bereichen „Gesellschaftliche Verantwortung und ethischer Dialog - Ökumenischer Dialog - Interreligiöses und interkulturelles Gespräch“. Auch in diesem Segment wirkt sie in entsprechenden Arbeitsbereichen auf landes-kirchlicher Ebene mit (u.a. Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der EKiR).

In beiderlei Hinsicht ist die Akademie für Nachfrage und kooperierende Institu-tionen sowohl innerhalb der verfassten Kirche und Diakonie als auch weit in den öffentlichen Raum interessant.

 

II.                   „Wir sind einander zum wechselseitigen Gespräch geboren“ (Philipp Melanchthon). Die Melanchthon-Akademie ist dem Anliegen ihres Namensgebers verpflichtet, die in der Reformation neu entdeckte Freiheit des Evangeliums in möglichst weitreichende und relevante Bildungsprozesse zu überführen.

Die Freiheit des Evangeliums verstehen wir als  befreiende Botschaft von Gottes Wirken (Theologie – Glaube), die  für den einzelnen Menschen alltagsbezogen hör- und erfahrbar wird (Seelsorge – Hoffnung) und dazu beiträgt, dass diese Botschaft auch in den sozialen und politischen Strukturen der urbanen Region Gestalt gewinnt (Gesellschaftsdiakonie – Liebe). 

Geleitet durch diese Dynamik, möchten wir durch unsere Bildungs- und Begegnungsangebote einen Beitrag dazu leisten, dass erwachsene Menschen

  • ihre Persönlichkeit entwickeln und stärken
  • an kulturellen und gesellschaftlichen Prozessen teilhaben
  • sich in Ehrenamt und Beruf weiter entwickeln.

Die Prinzipien des lebenslangen Lernens sowie der lebensbegleitenden und lebensentfaltenden  Bildung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen spielen für die pädagogische Arbeit eine maßgebliche Rolle.

Unsere Bildungsangebote richten sich daher in gleicher Weise an interessierte Erwachsene der regionalen Öffentlichkeit wie auch an ehrenamtlich tätige Menschen aus den Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenverbandes.

Maßgeblich sind dabei die Bildungsinteressen und -bedürfnisse der sich bildenden Subjekte. Der „Nutzen“ für die Träger – Kirche bzw. öffentliche Hand – muss sich daran messen lassen, ob die Bildungsangebote der individuellen Suchbewegung der Adressaten in evangelischer Freiheit und Identität folgen. In der evangelischen Erwachsenenbildung ist Kirche Teil eines „’Suchprozesses’ … in dem Bemühen, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden bzw. das Leben und die gesellschaftlichen Gegebenheiten zu reflektieren.“ (2)
 

III.                Die Arbeit in der Melanchthon-Akademie Köln vollzieht sich in Kontexten, die für die Ausrichtung unserer Bildungsangebote von großer Bedeutung sind.

Einige Eckpunkte sind:

in gesellschaftlicher Hinsicht:

  • Das Spannungsfeld zwischen urbanem Raum und seinem Umfeld
  • Die Strukturkrise des Arbeitsmarktes
  • Köln als Medienhochburg
  • Köln als Metropole der Kultur und des interkulturellen Lebens
  • Köln als Stadt mit einem hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund

 in religiös-kirchlicher Hinsicht:

  • Die ökumenische Landschaft im Schatten des Domes  und im Kontext einer multilateralen und internationalen Ökumene
  • Die jüdisch-christliche Landschaft in der ältesten jüdischen Metropole Deutschlands mit zwei jüdischen Gemeinden heute
  • Die religiöse Landschaft in einer Zentrale fast aller großen in Deutschland vertretenen Weltreligionen, insbesondere des Islam und des „Rates der Religionen“ unter Leitung des Oberbürgermeisters
  • Die protestantische Landschaft zwischen großstädtischen und individuellen städtischen und kirchlichen Milieus, Identitäten (Brühl, Bergisch-Gladbach, Bergheim) und Zentren (z.B. Altenberger Dom, Trinitatiskirche, Antoniterkirche).

 

IV.                Vor dem Hintergrund dieser Kontexte und des reformatorischen Bildungsbegriffes in seiner humanistischen Weite und seiner Kompetenzorientierung gehören für die Arbeit in der Melanchthon-Akademie zusammen

  • das theologische Mandat (Theologie in der Schule des jüdisch-christlichen Gespräches und in der ökumenischen und abrahamischen Begegnung)
  • das seelsorglich-emanzipatorische Mandat (Subjektorientierung; Stärkung der  Persönlichkeit; Vergewisserung der Menschen in ihrer Würde; Qualifizierung von Menschen nach persönlichem Bedarf; behutsame Aktivierung von Bildungspotenzialen; Förderung der sozialen und politischen Integration)
  • das gesellschaftsdiakonische Mandat (protestantisches Profil in ethischen, politischen und sozialen Fragen schärfen und Strategien aktiver Gestaltung zu entwickeln; ökumenische sowie interreligiöse Kooperation und Verbindlichkeit in der Region zu suchen, zu pflegen und zu fördern).

[1] Missionarisch Volkskirche sein – Entwicklung und Umsetzung einer Leitvorstellung, Beschluss der Landessynode der EKiR 2010.

[2] Religiöse und theologische Bildung in der Spätmoderne – Thesen und Einordnungen der Fachgruppe „Religiöse und Theologische Bildung der DEAE“, Frankfurt 2010.