Theologie treiben

Wenn der Sturm sich legt und der Schrecken bleibt - Online

Der Jüdische Krieg im Spiegel des Markusevangeliums

Das Markusevangelium ist ein Text von verwirrender Widersprüchlichkeit. Zum einen hören wir hier das »das Evangelium – die frohe Botschaft – von Jesus Christus, dem Sohn Gottes« (Mk 1,1) und von der Nähe des Gottesreiches. Zum anderen steht im Zentrum die von Markus erzählten Geschichte einer grausamen Hinrichtung. Das eine aber, das wird im Text wiederholt deutlich gemacht, ist ohne das andere nicht zu haben. Es geht um den Versuch, der poetischen Logik des Mk-Ev auf die Spur zu kommen, indem der Text als Dokument seiner Zeit verstanden wird. Denn das Mk-Ev ist gegen Ende des Jüdischen Krieges entstanden – einer Katastrophe, die in der Geschichte des Jüdischen Volkes den größten Einschnitt zwischen der Tempelzerstörung des Jahres 586 v.Chr. und der Schoah im 20. Jahrhundert bedeutete.  Der Verfasser des Mk-Ev stand vor der Frage, ob die Zerstörung Jerusalems und seines Tempels durch die Römer die Evangeliumsbotschaft von der Nähe des Gottesreiches nicht Lügen strafte. Die Augen vor der Wirklichkeit verschließen konnte Markus nicht, und die an der Auferstehung Jesu orientierte Hoffnung preiszugeben kam für ihn ebensowenig in Frage. Darum tat er das einzige, was unter solchen Umständen möglich war: Er erzählte das Evangelium von Jesus Christus mitten in die Geschichte des Jüdischen Krieges hinein. D.h., in der Passion des markinischen Jesus spiegelt sich die Passion, die das jüdische Volk in diesem Krieg erdulden musste, und der vom Krieg ausgelöste Schrecken wird im Mk-Ev immer wieder greifbar. Man kann fragen, ob eine solche Darstellung das Evangelium nicht unrettbar beschädigt. Aber vielleicht verhält es sich anders, und das Evangelium wird im Gegenteil gerade so davor bewahrt, zu einem frommen Märchen zu werden. Um diese zweite Möglichkeit weiter zu verfolgen, wollen wir uns vor allem mit der Geschichte von der Sturmstillung (Mk 4,35–41) und der Geschichte vom Seewandel (Mk 6,45–52) beschäftigen.  
 

Prof. Dr. Andreas Bedenbender

Do, 25.03. 20-22h

Dieser Kurs kostet 5,00€.
Nr. 1010B

online-Vortrag

Melanchthon-Akademie

hinzufügen
zurück zur Übersicht